Schmidt & Paetzel Fernsehfilme
Niedstr. 28 12159 Berlin
post@schmidt-paetzel.de

 

 

 

Der Schock des Bombenkrieges

Teil I der Serie "Ein Dach über dem Kopf. Der Wiederaufbau unserer Städte"

 

"Kein schöner Land in dieser Zeit"? Deutschland war bis in die dreißiger Jahre eine Kulturlandschaft mit einer einzigartigen Fülle von historischen Stätten und malerischen Flecken. Damals eines der populärsten Touristenländer - auch für US-Amerikaner, die gerne in den modernen Reisezügen und über die neuen Autobahnen zu den schönen alten Städten fuhren. Doch die Idylle war bedroht. Die Nazis wollten nicht nur die Reichshauptstadt, sondern auch die Gauhauptstädte ummodeln. Die Neugestaltung sollte Sichtachsen durch die alten Stadtkerne schlagen, Aufmarschplätze und Freiraum für eine monumentale Repräsentationsarchitektur schaffen.


Schon das Neue Bauen der zwanziger Jahren sagte der überkommenen Stadt mit ihrer verdichteten Bebauung, den engen, verwinkelten Gassen oder dem steinernen Meer der Mietskasernen den Kampf an - zugunsten eines sozial, hygienisch und verkehrstechnisch modernen Siedlungsbaus. Kaum begannen Ende der 30-er Jahre die Abrissbirnen ihr Werk, da kam der Krieg, und die Bomben legten die deutschen Städte in Schutt und Asche. Hitlers Baumeister Albert Speer betrieb nun, mitten im Krieg, nicht mehr "Neugestaltung", sondern Wiederaufbau. Sein Arbeitsstab, aus Berlin nach Wriezen an der Oder ausgelagert, entwickelte Pläne für die "aufgelockerte, gegliederte Stadt", die künftig auch besseren Schutz vor Luftangriffen und Feuerstürmen bieten sollte. Damit entstanden wesentliche Grundlagen für die Planung und den Wiederaufbau nach 1945.


Die zerstörten Städte, die Ruinenfelder der Nachkriegszeit boten anfangs den Planern und Architekten ein vermeintlich grenzenloses Tummelfeld für kühne Phantasien und Visionen. Doch die Realität holte sie schnell ein. Schnell musste Wohnraum geschaffen werden. Enttrümmerung und Verwertung des Schutts und die Nutzung der großenteils noch intakten Infrastruktur hatten Vorrang. So fielen vielerorts schon Vorentscheidungen in dem Streit zwischen Modernisten, Traditionalisten und Denkmalschützern. Welche Richtung eingeschlagen wurde, hing auch von den einzelnen Besatzungsmächten ab - im Film wird dies an den Beispielen Hamburg, Köln, Berlin und Freudenstadt illustriert.


Bis zur Währungsreform war die Enttrümmerung im wesentlichen abgeschlossen. Mit dem beginnenden Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre setzte eine massenhafte Bauproduktion ein, deren Qualitätsmängel viel zur "Unwirtlichkeit" der deutschen Städte beitragen sollten. Selten gezeigte Archivaufnahmen, zeitgenössische Augenzeugenberichte und Statements von Architekturhistorikern dokumentieren den Untergang der alten Stadtlandschaft sowie die Möglichkeiten und Grenzen des Wiederaufbaus in den späten vierziger Jahren.


Buch, Regie: Dora Heinze / Kamera: Peter Petrides / Schnitt: Liza Gerber / Ton: Inken Griese, Jean-Pierre Tari / Tonmischung: Gerhard Jensen-Nelson / Sprecher: Jürgen Hentsch / Recherche: Sergey A. Mishunin / Produktionsleitung: Cordula Paetzel / Redaktion: Martina Zöllner (SWR),  Hans von Brescius (rbb) / Eine Produktion von Schmidt & Paetzel Fernsehfilme / Im Auftrag von Südwestrundfunk und Rundfunk Berlin-Brandenburg
59'00'' / 16:9 / Stereo / F+SW / © 2004 SWR rbb